Eine Frage an - NCIS -

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Re: Eine Frage an - NCIS -

Beitragvon NCIS » Mi 20. Sep 2017, 18:37

Wenn du meine Studentenwohnung meinst - momentan gar keines, da muss ich erst eine neue Packung kaufen.

In meinem Rucksack, den ich fast immer mit mir mit führe, habe ich ein kleines Metalldöschen, in dem bewahre ich "für den Notfall" immer zwei bis drei Kondome auf. Das reicht für einen unvorhergesehenen One Night Stand erst mal aus.
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Re: Eine Frage an - NCIS -

Beitragvon Lena » Do 21. Sep 2017, 10:48

Was willst du in deinem Leben dringend ändern?
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Re: Eine Frage an - NCIS -

Beitragvon NCIS » Do 21. Sep 2017, 11:18

Meinen Beziehungsstatus? Dafür müsste ich mich aber endlich mal in die richtige Frau verlieben. :lol:

Ansonsten gibt es nichts, was ich in meinem Leben gravierend verändern wollen würde.
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Re: Eine Frage an - NCIS -

Beitragvon RichieJ » Do 21. Sep 2017, 13:14

Du gehst ja hier im Forum sehr offen mit deiner Bi-Sexualität um.
Für eine Beziehung käme aber nur eine Frau für dich Frage!? Warum?
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Re: Eine Frage an - NCIS -

Beitragvon NCIS » Do 21. Sep 2017, 16:55

Ich weiß nicht, ob meine Antwort dich zufrieden stellen wird, Richie, aber ich versuch's trotzdem mal, es irgendwie zu erklären.

Wenn ich es in einem Satz beantworten müsste, dann in etwa so: Weil ich für Männer keine romantischen Gefühle hervorbringen kann.
Es ist nämlich nicht so, dass ich einen Mann so ganz grundsätzlich als Beziehungspartner ausschließen würde. Es hat also nicht den Hintergrund, dass ich mir eine heterosexuelle Beziehung als einfacher, weil gesellschaftlich besser akzeptiert, vorstelle oder dergleichen. Sondern es hat schlicht damit zu tun, dass ich noch nie in einen Kerl verliebt war und in einem Mann auch (glaube ich zumindest) nicht mehr als einen Freund, einen guten Kumpel, sehen kann. Natürlich weiß ich nicht, was die Zukunft so mit sich bringt, eventuell treffe ich doch noch mal einen Mann, der mir gehörig den Kopf verdreht. Vom momentanen Punkt aus kann ich mir das aber nicht beziehungsweise nur sehr schwer vorstellen.
Aktuell bin ich auch wieder verliebt, in eine Frau. Nur daraus wird leider wieder mal nichts werden. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. :(

Rein körperlich sprechen mich dagegen beide Geschlechter an. Ich kann also einen Mann durchaus attraktiv und erotisch finden, eben sexuell anziehend. Und dabei kann es sogar sein, dass es Phasen gibt, in denen ich körperlich stärker von Männern angezogen werde. Dann wieder machen mich Frauen mal mehr an und ich kann mir mit einem Mann so gut wie gar nichts vorstellen. Aktuell hält sich das in etwa die Waage.

Man könnte also auch sagen, dass es keinen wirklichen rationalen Grund dafür gibt, warum ich mir eine homosexuelle Beziehung nicht vorstellen kann, sondern es ist eine gefühlsmäßige Sache. Und Gefühle sind bekanntlich alles andere als rational oder sinnvoll.
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Re: Eine Frage an - NCIS -

Beitragvon RichieJ » Do 21. Sep 2017, 18:18

NCIS hat geschrieben:Ich weiß nicht, ob meine Antwort dich zufrieden stellen wird, Richie, aber ich versuch's trotzdem mal, es irgendwie zu erklären.[...]


Ist doch ok, deine Antwort.
Da hast du schon weniger-sagende Antworten gegeben :D
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Re: Eine Frage an - NCIS -

Beitragvon Jonas91 » Fr 22. Sep 2017, 06:56

Ich hoffe die Frage wurde noch nicht gestellt, was studierst du?
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Re: Eine Frage an - NCIS -

Beitragvon Lena » Fr 22. Sep 2017, 08:52

:lol:

NCIS hat geschrieben:Student der B.
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Re: Eine Frage an - NCIS -

Beitragvon NCIS » Fr 22. Sep 2017, 09:34

Da es ja eh ein offenes Geheimnis im Forum war, kann ich es ja nun auch zugeben: ich studiere Biologie. ;)
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Re: Eine Frage an - NCIS -

Beitragvon Musterländle » Fr 22. Sep 2017, 10:53

Aha, dann brauche ich mich über deine "verkommenen" Fachausdrücke z.B. im Tiere-Thread
ja nicht mehr zu wundern... :lol:

Ich weiß nicht, wie lange du schon Bio studierst, aber ein paar Abläufe und Zusammenhänge hast du sicher schon mitbekommen. Gehst du jetzt, da du besser informiert bist, etwas schonender und
rücksichtsvoller mit deinem eigenen Organismus um? Siehst du, bedingt durch dein Wissen,
auch Flora und Fauna, die ja auch zu deinem Studiengebiet gehören, mit anderen Augen an?
Respektvoller und auch etwas demütiger?
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Re: Eine Frage an - NCIS -

Beitragvon NCIS » Fr 22. Sep 2017, 11:25

Ein sehr interessanter Aspekt, den du da ansprichst.

Ob ich mit meinem Körper rücksichtsvoller umgehe? Nein, ehrlich gesagt nicht. Ich habe schon davor nicht geraucht und trinke auch keinen Alkohol. Auf Safer-Sex habe ich ebenfalls schon vorher geachtet. Aber ich merke hin und wieder, dass mir zum Beispiel etwas Rückengymnastik gut tun würde. Wenn ich für eine Hausarbeit oder dergleichen längere Zeit vor dem Computer sitze, macht sich das in meiner Wirbelsäule inzwischen schon bemerkbar. Es würde mir wahrscheinlich generell gut tun, irgendeinen Sport zu beginnen, aber ich kann mich einfach nicht dazu durchringen.

Ob ich die Natur mit anderen Augen sehe? Hmmmm...schwierige Frage, da mich das Thema sowieso schon immer fasziniert hat und ich Bio in der Schule auch als Leistungskurs belegt hatte. Was ich aber gestehen muss, mein Studium hat die Welt wie ich sie sehe dahingehend geändert, dass ich das Zusammenspiel der Lebewesen mit- und untereinander anders betrachte.
In der Schule wird das meiner Meinung nach viel zu eindimensional betrachtet: da geht es um Nahrungsketten (also fressen und gefressen werden), um Konkurrenz im Kampf ums Dasein, das "Recht des Stärkeren". Dabei ist die Natur viel stärker von gegenseitiger Zusammenarbeit geprägt, von (friedlicher) Koexistenz miteinander als man glauben mag. Leider hört man von diesem großen Überthema Symbiose in der Schule nur sehr wenig, dabei ist es ein Thema, das uns alle angeht: ohne Milchsäurebakterien auf unserer Haut wären wir viel häufiger krank, unsere Darmbakterien helfen uns bei der Verdauung, produzieren Vitamine, etc.
Es gibt zum Beispiel Studien, die einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Allergien und Infektionskrankheiten mit Kaiserschnittgeburten nahelegen. Dadurch, dass dabei der natürliche Geburtsweg umgangen wird, bekommt das Neugeborene während der Geburt nichts von der natürlichen Scheidenflora mit auf den Weg - daher wird es zunehmend üblich, dass man Kaiserschnittgeborene zunehmend gezielt mit dem Scheidensekret der Mutter "beimpft".
Und seit einiger Zeit werden sogar zur Behandlung von chronischen Darmerkrankungen Stuhltransplantationen durchgeführt, mit teils beachtlich großem Erfolg. Das alles hat meinen Blickwinkel auch dahingehend geschärft, vermehrt auch die Mikrobenwelt zu beachten und in der Natur nicht nur Pflanzun und Tiere wahrzunehmen.

Und zum Schluss muss ich sagen, zeigt mein Studium mir auch, wie unglaublich kompliziert alles miteinander vernetzt ist und wie gravierend sich unser menschliches Leben auf die Umwelt auswirken kann. Als Beispiel sei nur der vermehrte CO2-Ausstoß genannt. Und da möchte ich von den allgemein bekannten, von POTUS Trump aber geleugneten Folgen des Klimawandels gar nicht mal sprechen. Wenn CO2 sich in Wasser löst, dann entsteht dabei bekanntlich Kohlensäure (also salopp gesagt Sprudelwasser). Der höhere Sprudelgehalt in den Ozeanen sorgt dafür, dass der pH-Wert sinkt. Was folgt, ist simple Chemie: das Reaktionsgleichgewicht der Bildung von Kalk wird verschoben, was für Lebewesen, die Kalk benötigen (Muscheln, Kalkkorallen usw.) verheerende Auswirkungen hat. Man braucht experimentell nur mal ein Hühnerei (dessen Schale kalkhaltig ist) in ein Glas Essig (also Säure) zu stellen und muss dann beobachten, was passiert. Richtig, die Schale löst sich auf. Genau das Gleiche spielt sich in viel größerem Maßstab im Meer ab.
Auch die Erwärmung wirkt sich auf die Korallen aus. Korallen besiedeln Lebensräume, die von extremer Nahrungsarmut geprägt sind. Dass Riffe trotzdem zu den artenreichsten Lebensräumen zählen, liegt allein daran, dass Korallen in Symbiose mit einzelligen Organismen, den Zooxanthellen, leben, die Photosynthese betreiben und der Koralle Nährstoffe liefern. Dabei sorgen sie durch das Wegfangen von CO2 für die Photosynthese gleichzeitig dafür, dass das Reaktionsgleichgewicht zugunsten der Bildung von Kalk verschoben wird. Nebenbei bemerkt: es gibt noch weitere Einzeller, die in dieser Symbiose eine Rolle spielen, etwa Stickstofffixierer, aber das würde jetzt zu weit führen. Wird es wärmer, dann stoßen die Korallen ihre einzelligen Helfer jedoch aus. Bis zu einem gewissen Grad kann dieses Abstoßen der Zooxanthellen rückgängig gemacht werden. Ab einem bestimmten Punkt aber nicht mehr, die Folge ist das gefürchtete Bleichen der Korallen. Das hat gefährliche Folgen für all die anderen Organismen, die im Riff leben: etwa Seepferdchen, die sich zwischen den Korallen tarnen oder Papageifische, die sich von Korallen ernähren.

So gesehen, ja ich habe große Demut vor der Natur entwickelt und ich kann nur mit dem Kopf schütteln, dass wir Menschen so ignorant sind und vor diesen gewaltigen Problemen unsere Augen verschließen. Anstatt Klimawandel, Verlust von Biodiversität und Vergiftung unserer Umwelt ist der aktuelle Wahlkampf geprägt von vergleichsweise unbedeutenden Themen und leider muss man sagen, gibt es keine einzige Partei (nicht mal die Grünen), die sich mit diesen Themen ernsthaft auseinandersetzen. Es liegt also (wieder einmal) an uns Verbrauchern, diese Themen anzusprechen und in die eigene Hand zu nehmen.

Für alle, denen meine Antwort oben zu ausführlich ist: Nein, ich achte auf meinen Körper nicht mehr als vorher auch. Ja, ich sehe die Flora und Fauna mit einer viel größeren Demut und ja, ich gehe respektvoller mit meiner Umwelt um.
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Re: Eine Frage an - NCIS -

Beitragvon Musterländle » Fr 22. Sep 2017, 12:06

Ich fand deine Antwort keineswegs zu ausführlich.
Sie zeigte mir, das du meiner Frage und mir den nötigen Respekt entgegengebracht hast und gewissenhaft darauf reagiert hast. Danke!
Wir sind hier ja schließlich auch nicht in irgendeinem Wichsforum! :lol: :lol: :lol:

Wie viele Semester hast du noch vor dir bis zum Abschluss?
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Re: Eine Frage an - NCIS -

Beitragvon NCIS » Fr 22. Sep 2017, 12:39

Das kommt ganz darauf an. Im Moment bin ich noch im Grundstudium. Ob ich noch einen Master anhänge, entscheide ich zu gegebener Zeit. Die Tendenz geht aber eher in Richtung ja. Und dann kann es immer noch sein, dass man ein Modul nicht gleich beim ersten Durchgang besteht. Ganz zu schweigen dann von der Entscheidung, ob man ans Masterstudium noch eine Promotion anhängt.
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Re: Eine Frage an - NCIS -

Beitragvon Musterländle » Fr 22. Sep 2017, 14:33

Ja, bei einer Promotion geht auch viel kostbare Zeit verloren, nicht so gut für den Geldbeutel.
Viele Mediziner, z.B. auch mein Hausarzt, verzichten heutzutage darauf, früher undenkbar.
Ist ja auch wurscht, man sagt trotzdem Herr/Frau Doktor zu ihnen. :lol:

Wie ist das Essen denn so in eurer Mensa, sagen wir mal auf einer Skala von 1 - 5, 1 = zum Kotzen. :)
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Re: Eine Frage an - NCIS -

Beitragvon Kratzbaum » Sa 23. Sep 2017, 08:03

Du schreibst, dass du wieder verliebt bist, aber machst dir da keine Hoffnungen - warum?

Und was dein Bild von Liebe angeht, frage ich mich, wie genau du dir das in Zukunft vorstellst?
Es klingt etwas so, als würdest du darauf warten, dass du dich in jemanden verliebst, der sich beim ersten Blick auch in dich verliebt oder umgekehrt.

Tatsache ist doch, dass auch die besten Beziehungen meist damit anfingen, dass lediglich ein gegenseitiges Interesse bestand, sich beide darauf eingelassen haben und schließlich Liebe daraus wurde.
Glaubst du nicht, dass du dein Ziel eher erreichen könntest, wenn du die Prämisse, Hals über Kopf verliebt sein zu müssen, um eine Beziehung zu haben, aus dem Spiel eliminieren würdest?

Bzw. hast du das schon einmal konsequent ausprobiert (Beziehung länger als ein halbes Jahr)?


Und zum anderen Thema:
Ist dir schon einmal aufgefallen, dass auch in den Naturwissenschaften der geradezu religiöse Eifer besteht, den Menschen zu Krone der Schöpfung zu ernennen?
Nehmen wir mal die Populationswissenschaftler: in der Biologie gilt es als einfaches Faktum, dass eine Population nur bis zu einem gewissen Maße wachsen kann.
Wird eine bestimmte Dichte überschritten, scheint es völlig natürlich, dass Krankheiten, Räuber oder Hunger ausgleichen, dass zu wenige Ressourcen (einschl. Platz) vorhanden sind.
Nur beim Menschen nicht.
Es fiel mir schon bei meinem eigenen Studium auf, dass überlegt wurde, wie man die steigende Weltbevölkerung ernähren könne. Als wäre es völlig normal, dass es unbegrenztes Wachstum gibt.
Es ist ja nicht so, dass Bevölkerungskontrolle, Verhütung und der ganze Kram Neuland wären.

Stattdessen wird da herumgeredet - ebenso wie beim CO2, es geht immer nur um die Symptome, nicht um die Dicken Autos oder dass man heute offensichtlich für jeden Mist das Auto benutzt.

Also, ist das bei euch Biologen auch so?


(Auch auf die Gefahr, dass ich das schon einmal gestellt habe.)
Eine Niederlage ist keine Schande, solange der Geist sich nicht geschlagen gibt!
http://www.sch-ona-forum.de/viewtopic.php?f=108&t=15742
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Re: Eine Frage an - NCIS -

Beitragvon NCIS » Sa 23. Sep 2017, 15:04

Also zunächst mal erwarte ich nicht, dass sich mein Gegenüber sofort Hals über Kopf in mich verliebt. War bei mir diesmal auch nicht so, sondern ein eher schleichender Prozess angefangen bei einer rein platonisch freundschaftlichen Basis über ein Gefühl, dass ich einfach gern in ihrer Nähe bin bis hin zum eigenen Eingeständnis, dass ich mich in sie verliebt habe. Ich spreche hier auch nicht von Liebe. Verliebtsein und Liebe sind für mich zwei völlig unterschiedliche Dinge.

Und natürlich ist mir absolut klar, dass eine Beziehung nicht von Knall auf Fall entsteht, sondern dass in der Regel erst von einer Seite Interesse besteht, man sich darauf einlässt und so weiter -wie du schon sagtest. So war es von mir eigentlich auch "geplant", falls man da überhaupt etwas planen kann. Ich wollte ihr schon seit geraumer Zeit sagen, dass ich für sie mehr empfinde als nur Freundschaft und alles weitere einfach auf mich zukommen lassen, wobei ich natürlich schon gehofft hatte, dass ein gewisses Interesse auf Gegenseitigkeit beruhen könnte. Nur bin ich nicht der Typ, der sowas irgendwo beiläufig in einer Mail oder einer Facebook-Nachricht erwähnt, sondern ich wollte es ihr sehr gerne persönlich sagen. Leider hat es mit einem Treffen nicht geklappt, weil sie entweder kurzfristig absagen musste oder wir beide nicht konnten oder sie nicht da war. Und nun ist sie mit jemand anderem in einer Beziehung - warum sollte ich mir da also große Hoffnung machen?

Zur Beantwortung deiner zweiten Frage: jein.

In weiten Teilen des Studiums ist es tatsächlich so, dass der Mensch eine Sonderstellung einnimmt. Viele Lerninhalte im Bereich Mikrobiologie sind beispielsweise auf Krankheitserreger des Menschen abgestimmt.

Was die Evolutionsbiologie betrifft, nimmt der Mensch im Studium eigentlich keine besondere Stellung mehr ein. Als Krone der Schöpfung wird er jedenfalls in diesem Bereich schon lange nicht mehr gesehen. In der gängigen Literatur der Speziellen Zoologie war es ja lange Zeit üblich, dass man die Kapitel einer gewissen Hierarchie nach geordnet hat, meist nach dem Bauplan. Entweder vom Einfachen zum Komplizierten und dementsprechend dann aus sehr anthropozentrischer Sicht mit dem Menschen entweder ganz am Anfang oder eben als "Höhepunkt" am Schluss. Das ist in der heutigen Literatur aber schon seit mindestens den 60ern nicht mehr der Fall. Schon in Grzimeks Tierleben wird der Mensch unter den Primaten abgehandelt, der letzte Band beschäftigt sich mit der "höchstentwickelten" Gruppe der Paarhufer, weil diese die stammesgeschichtlich jüngste Gruppe der Säuger repräsentieren.
Moderne Lehrbücher (standardmäßig wird das zweibändige Werk Spezielle Zoologie von Westheide und Rieger verwendet) verzichten sogar auf eine hierarchische Kategorisierung der Lebewesen, weil jede Kategorisierung im Grunde genommen ziemlich willkürlich erfolgt. Die einzig "gültige", weil definierte Kategorie ist und bleibt die Art. Alles andere, die Einordnung als Gattung, Familie etc. ist sehr abhängig vom jeweiligen Wissenschaftler, weshalb man hier heute nur noch formlos von Taxa (Singular: Taxon) spricht, aber auf eine Kategorisierung wird weitgehend verzichtet.

In diesem Zusammenhang soll ein sehr lesenswertes Buch nicht unerwähnt bleiben, das auch für Nichtbiologen hervorragend geeignet ist: "Illusion Fortschritt" vom amerikanischen Evolutionsbiologen Stephen J. Gould beschäftigt sich genau mit der Frage, warum es falsch ist, den Menschen als Krone der Schöpfung zu sehen und dass Evolution eben keineswegs geradlinig verläuft und die gängige Vorstellung der Evolution als Einbahnstraße vom Einfachen hin zum Komplizierten falsch ist. Tatsächlich waren und sind weiterhin einzellige Mikroorganismen die wahren "Herrscher der Welt". Allein unser Körper beherbergt mehr Einzeller als Menschen auf dem Planeten leben. Dass trotzdem der Eindruck entsteht, im Lauf der Evolution seien immer kompliziertere Lebewesen entstanden, ist aus zwei Gründen falsch: 1. wie oben schon erwähnt sind mit dem Auftauchen von Vielzellern beispielsweise die Einzeller nicht verschwunden und ihr biologischer Erfolg hält bis heute ungebremst an und 2. gibt es Beschränkungen (Gould spricht von "Wänden") für die Evolution von Lebewesen. Diese Schranke besteht darin, dass irgendwo für Leben eine Art Mindestkomplexität vorhanden sein muss. Unterhalb dieser Schranke geht es einfach nicht mehr. Und dieses Limit ist bei einem Einzeller erreicht. Mit viel Wohlwollen könnte man eventuell in einem Virus noch etwas Einfacheres sehen, aber traditionell gelten Viren nicht als Lebewesen, da sie keinen eigenen Stoffwechsel besitzen und für ihre Vermehrung auf eine Wirtszelle angewiesen sind. Gould vergleicht das mit einem Betrunkenen, der einen Gehsteig entlang torkelt - und zwar rein zufällig entweder nach rechts oder nach links. Rechts befindet sich die Straße, links ein Haus. Das Gedankenexperiment geht so weit, dass man daraus schlussfolgern muss, dass bei jeder Zufälligkeit der Betrunkene am Ende zwangsläufig auf der Straße landet, weil er links gegen die Hauswand stößt und er nicht noch weiter links gehen kann.
Wenn das Leben jedoch weit genug von dieser Wand entfernt ist, dann zeigen sich im Lauf der Evolution sehr wohl Tendenzen in beide Richtungen, also auch vom komplizierten zum Einfachen. Etwa Vögel, die sekundär wieder ihre Flugfähigkeit verloren haben.

Am Ende muss ich aber auch sagen, dass eine gewisse anthropozentrische Sichtweise bezogen auf unsere globalen Probleme nicht unvernünftig ist. Würde man als Wissenschaftler den Menschen streng außen vor lassen, bekäme man schnell wieder zu hören, man forsche allein um des Forschens Willen und sehe dahinter keine Relevanz. Fakt ist doch, dass gerade Naturschutz nur dann gelingen kann, wenn es sich für den Menschen lohnt.
Es ist doch richtig, dass wir im Prinzip auf die Biodiversität pfeifen könnten. Der Erde ist es herzlich egal, ob es Große Pandas, Tiger, Eisbären gibt. Aber die Frage ist, ob es uns auch gleichgültig ist oder ob es nicht doch ziemlich egoistische (also für den Menschen sinnvolle) Interessen gibt, die die Erhaltung der Umwelt wert machen. Das könnte zum Beispiel sein, dass sanfter Ökotourismus sich für eine Region auszahlt. Oder dass die Erhaltung des Regenwalds bedeutet, dass man dort eines Tages eine Pflanze entdeckt, deren Inhaltsstoffe eine Krankheit heilen können. Aber anscheinend begreifen Menschen solche Dinge nur sehr langsam.
Beim Thema des von dir angesprochenen Problems der Überbevölkerung sind wir tatsächlich wohl blind. Echte Lösungen gibt es nicht, mir ist auch aus dem Bereich der Biologie kein ernstbemühter Lösungsansatz bekannt. Es ist auch nicht die Aufgabe, dass solche Probleme von einem Wissenschaftszweig allein oder von der Wissenschaft allein gelöst werden. Die Wissenschaft kann lediglich Zahlen und Fakten liefern, quasi die Richtung voraussagen, in die wir uns bewegen werden. Das Umdenken, das Handeln ist dann ein Prozess, der uns alle, jeden Einzelnen angeht. Und da sehe ich leider schwarz.

Allein das Problem der Energiewende ist hier viel zu einfach gedacht: eine nette Vorstellung der Grünen, in den nächsten Jahren den Verkehr komplett auf Elektromobilität umstellen zu wollen. Nur leider nicht zu Ende gedacht. Der Mehrbedarf an Strom, der gebraucht werden würde, um sämtliche Fahrzeuge auf Elektroantriebe umzustellen, kann von den erneuerbaren Energiequellen allein gar nicht gedeckt werden. Da man beschlossen hat, das Ende des Atomstroms zu verkünden, bleibt als einzige gegenwärtige Alternative das zusätzliche Verbrennen von Kohle. Das Problem der CO2-Emission wird damit nicht beseitigt, es wird lediglich verschoben. Die einzig sinnvolle Alternative wäre es, den ÖPNV auszubauen und den Individualverkehr zu begrenzen. Aber Hand aufs Herz: wer wird freiwillig eine Partei wählen, die dafür ist, sich anstatt ins eigene Auto in einen übervollen Bus zu setzen? Eben.
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Re: Eine Frage an - NCIS -

Beitragvon DieserLuca » So 24. Sep 2017, 17:05

Und was hältst du ansonsten von E-Autos an sich? Käme für dich eins in Frage?

Was hältst du von Tesla und Elon Musk?
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Re: Eine Frage an - NCIS -

Beitragvon NCIS » So 24. Sep 2017, 18:57

Da ich keinen Führerschein habe, erübrigt sich die Frage nach einem E-Auto eigentlich. Ich bin und bleibe überzeugter ÖPNV-Nutzer. Gerade in der Großstadt bin ich damit sogar schneller unterwegs als mit einem eigenen Auto. Oder ich benutze das Fahrrad.

Grundsätzlich finde ich die Idee von E-Autos nicht schlecht. Wirklich ausgereift halte ich die Technik jedoch nicht. Dafür sind die Reichweite aktueller Modelle zu klein und die Ladezeit der Akkus zu groß. Außerdem ist der Produktionsprozess von Akkus für E-Autos alles andere als umweltfreundlich und extrem energieaufwändig. Entsprechend groß müsste daher die Lebensdauer eines Akkus sein. Daher sind E-Autos zumindest momentan sicher nicht das, was sich Otto Normalverbraucher wünscht.

Das ist ein bisschen vergleichbar mit der Frage was umweltfreundlicher ist - Glasflasche oder Plastikflasche? Einweg-PET-Flaschen lassen wir jetzt mal außen vor, sondern wir konzentrieren uns mal nur auf die Mehrwegflaschen. Fast jeder wird sagen: "Natürlich die Glasflasche." Tatsächlich hat die Glasflasche aber den Nachteil, dass ihr Transportgewicht größer ist, Glas ist halt schwerer als Plastik. Höheres Gewicht heißt, dass der LKW mehr leisten muss und mehr CO2 ausstößt. Daher benötigt eine Glasflasche im Schnitt mehr Umläufe (heißt: Wiederbefüllungen), um gegenüber einer Plastikmehrwegflasche in der Ökobilanz besser zu sein. Demgegenüber steht allerdings, dass Glas nicht bruchfest ist, was die Sache mit den mehr Umläufen schwieriger macht.
Ähnlich sieht es bei Tüten aus. Die Stofftüte besteht in der Regel aus Baumwolle. Hauptanbaugebiete sind Regionen, die für Baumwolle eigentlich eher schlecht sind. Für ein T-Shirt können so schon mal 2000 Liter Wasser nötig werden, zudem werden Baumwollplantagen intensiv mit Pestiziden bewirtschaftet. Der Vorteil eines Baumwollbeutels liegt also darin, dass er langlebig ist. Erst, wenn er auch wirklich, wirklich oft zum Einsatz kommt, ist die Ökobilanz besser als die einer Einwegplastiktüte. Da kann man guten Gewissens auch zu Mehrwegplastiktüten greifen, die Ökobilanz ist hier ähnlich wie bei einem Baumwollbeutel. Ich will damit nicht sagen, Baumwollbeutel sind schlecht, sie müssen nur richtig eingesetzt werden.


Will heißen: E-Autos sind eine nette Idee. Ausgereift sind sie jedoch noch nicht und das Problem an sich werden sie allein nicht lösen können. Es ist schlicht unmöglich, bei dem aktuell hohen Verkehrsaufkommen sämtliche konventionellen Antriebe durch E-Antrieb zu ersetzen. Es wird nur gehen, wenn der Verkehr drastisch -aber wirklich drastisch- reduziert wird.
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Re: Eine Frage an - NCIS -

Beitragvon DieserLuca » So 24. Sep 2017, 20:38

Okay, aber was "nicht ausgereift" angeht hab ich einen anderen Eindruck. Deswegen fragte ich auch nach Tesla. Die haben es immerhin geschafft unter realen Bedingungen mehrere Hundert Kilometer Reichweite zu ermöglichen und betreiben für lange Distanzen eigene Schnelllade-Stationen, die die Akkus in 40 Minuten wieder auf 80% Kapazität laden können, was wohl wieder für fast 300km reicht und auf jeden Fall bis zur nächsten Station. Alles schön in der Navi integriert, die voraus berechnet in es reicht, wo evtl. geladen werden müsste, die Route entsprechend anlegt... Finde das so genial wie die das alles umsetzen, kein Vergleich zu den üblichen Herstellern. Und zur Lebensdauer, die Akkus sollen laut Tesla so ausgelegt sein, dass sie "ein Autoleben lang" halten, die geben auf Antrieb und Akku sogar 8 Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung.

Ist echt interessante Sache, hab mir schon viele Videos auf Youtube Kanälen von Tesla-Fahrern angeguckt, die auch alle am liebsten nichts anderes mehr fahren wollen. Wäre ich doch nur schon volljährig mit gut gefüllten Konto... ;)
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Re: Eine Frage an - NCIS -

Beitragvon NCIS » Mo 25. Sep 2017, 07:27

Wenn ein Akku wirklich "ein Autoleben lang" halten sollte - warum gibt Tesla dann nur 8 Jahre darauf Garantie und nicht "lebenslang"? Wenn man wirklich davon überzeugt wäre, dass dem so ist, dann würde man das nämlich machen (ZIPPO-Feuerzeuge haben zum Beispiel eine lebenslange Garantie und die halten wirklich fast alles aus).

Um mal ein paar konkrete Zahlen zu liefern: der Abbau von Lithium (das ist in jedem Akku für E-Autos enthalten) geschieht unter einem hohen CO2-Ausstoß. Das führt dazu, dass der Ausstoß an Kohlendioxid bei der Produktion eines Elektroautos um durchschnittlich 60 Prozent gegenüber einem herkömmlichen Auto ansteigt. Das macht rund 2,5 Tonnen CO2 pro Auto mehr.

Wenn du dir den Strommix mal ansiehst, der gegenwärtig in Deutschland hergestellt wird, dann wirst du feststellen, dass ein beträchtlicher Teil davon durch die Verbrennung von Kohle erzeugt wird. Dadurch verbrennt selbst ein E-Auto indirekt ebenfalls Kohle und stößt damit CO2 aus. Berücksichtigt man das, muss man mit einem Elektroauto im Durchschnitt 80.000 Kilometer fahren, damit es im Vergleich mit einem herkömmlichen Diesel-Fahrzeug eine bessere CO2-Bilanz hat. Und jetzt frage ich mal ernsthaft: glaubst du wirklich, dass ein Akku so lange hält?

Bezüglich der Praktikabilität: spaßeshalber habe ich mir gerade mal die Strecke Hamburg-München rausgesucht, eine Strecke, die Geschäftsleute regelmäßig zurücklegen und Familien, die in den Uralub fahren auch. Laut google maps sind das 775,1 km. Bei einer angenommenen Reichweite von 300 Kilometern bedeutet das, dass man während dieser Reise 2,6 mal anhalten und aufladen müsste. Da man nicht 0,6 mal halten kann also insgesamt drei Mal. Das macht 3 * 40 min = 120 min = 2 h mehr, die zur durchschnittlichen Reisedauer von 7 h 16 min hinzu kommen. In der zusätzlichen Zeit könnte man sich einen gängigen Kinofilm inklusive Werbung ansehen.
Zum Vergleich: die Strecke Hamburg-München wird mit der Bahn aktuell in 5 Stunden 40 min bewältigt - und zwar ganz ohne Zwischenladungen.
Für weite Strecken sind E-Autos einfach nicht praktikabel. Mag sein, dass die Reichweite inzwischen angestiegen ist und 300 km klingen erst mal nicht schlecht. Aber niemand wird bei einer solchen Reise Zwangspausen von 40 min in Kauf nehmen, wenn man bei einer normalen Tankfüllung nicht mal 5 min braucht und die Reisedauer insgesamt auf 2 Stunden ansteigt. Ein E-Auto ist allenfalls eine Anschaffung wert für Leute, die täglich weniger als 150 Kilometer bis zur Arbeit pendeln oder in der Stadt leben, wo die Wege ohnehin sehr kurz sind.
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