Kolumne#10: Outing

Nachgedacht über...

Kolumne#10: Outing

Beitragvon Speer » Mo 3. Nov 2014, 22:41

Wie der Titel verrät möchte ich mal ein paar Gedanken die ich zu dem Thema habe, teilen.
Dieses Wochenende wurde ich, zum ersten mal, Zeuge eines Outings.
Und ich habe sehr viel darüber nachgedacht, obwohl ich heterosexuell bin.
Denn die betreffende Person hat, in einer sehr emotionalen Stimmung, gesagt dass sie bisexuell ist. Aber das dies in ihrem Umfeld sehr schlecht aufgenommen wird, sie hat sich dort zwar noch nicht geoutet, aber bei entsprechenden Andeutungen sei es sehr klar gewesen.
Nun leben wir beide in Köln, eine Stadt die den Ruf hat sehr offen zu sein, und ich war dementsprechend überrascht als die Person sagte dass sie glaubt das es homosexuelle es wesentlich einfacher haben sich zu outen.
In der Schule habe ich dann mal, da das Thema momentan in den Medien ist, nachgefragt ob manche einen unterschied zwischen einem homosexuellen Outing und einem bisexuellen Outing sehen.
Und siehe da, die erste Reaktion war Verständnis für Homosexuelle und der Spruch, Die können sich ja nicht mal entscheiden, für Bisexuelle.
Das ganze überrascht mich sehr, da ich angenommen das die Reaktion eher andersherum wäre, da schwul ja ein recht geläufiges Schimpfwort ist.
Nun geht es mir nicht um den konkreten Fall sondern um eure generellen Gedanken zu den (verschiedenen) beiden Outingsituationen zu hören.
Bitte keinerlei Chat, icq, "möchtest du schreiben" Anfragen
Danke
Speer
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Re: Kolumne#10 Outing

Beitragvon Joe D. » Di 4. Nov 2014, 10:40

Ich denke, das liegt an einem oft zu beobachtenden Phänomen bei Menschen. Sie mögen klare Verhältnisse. Schwarz oder Weiß. Auch wenn alle Menschen nach außen hin immer sagen werden "es sind die Grautöne in denen gemalt wird" es ist eine Lüge. Ich habe mit vielen Menschen über viele Dinge gesprochen und es ist prägend, da es wirklich sehr oft vorkommt. Menschen denken in Kategorien, in Schubladen könnte man sagen. Schwarz ist eine, Weiß eine andere. Schwul oder Hetero, das ist ein Standpunkt. Bisexualität fällt in die Grauzone, ins Zwielicht. Menschen mögen das Zwielicht in aller Regel nicht (das hat biologische Gründe aus unserer Vergangenheit) wenn wir es nicht gerade als romantisch verklären.

Aber ich komme vom Thema ab. Ich kann also deine Erfahrung diesbezüglich bestätigen. Auch ich kenne derartige Aussagen.
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Re: Kolumne#10 Outing

Beitragvon Florian_1990 » Di 4. Nov 2014, 21:57

Hi Speer,

meines Erachtens ist das definitiv kein Einzelfall. Selbst innerhalb der LGBTIQ+-Community (also lesbisch, schwul, bi, trans,inter, queer und weitere um auch ja niemanden zu vergessen :D) ist es so, dass in den letzten Jahren ein intolerantes Klima entstanden ist. (Also hab ich gelesen. Ich bin zwar schwul, verkehre aber quasi nicht in Szene-Bars, o. ä.) Nur weil man also selbst Ausgrenzung, Stigmatisierung und dergleichen erfahren hat, heißt das nicht automatisch, dass man selbst nicht zum "Täter" wird und andere ausgrenzt oder stigmatisiert. Wer in der "schwulen" Szene vom heutigen "Ideal" abweicht, wird also oft Opfer von Ausgrenzung. Das betrifft nicht nur Bisexuelle Männer, sondern auch geschminkte Männer oder nicht mehr ganz junge Männer, die Frauenkleidung tragen, etc.

Wohl nicht ohne Grund hat die IWWIT-Kampagne der Deutschen Aids-Hilfe eine Kampagne gegen Ausgrenzung innerhalb der Community gestartet: Klick!.

Ganz interessant ist speziell dieses Interview: Klick!
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Re: Kolumne#10 Outing

Beitragvon DerVierteBoy » Do 6. Nov 2014, 18:12

Eigentlich habe ich zur Aussage von Joe D. nicht viel hinzuzufügen.

Menschen sind nun naturgemäß eben so, dass sie sich oder andere gerne komplett in eine Ecke stellen. Zwischendrin ist zwar theoretisch jede Menge Spielraum, nur wird das leider häufig als Schwäche ausgelegt, einfach, dass man sich angeblich nicht für eine Ecke entscheiden kann (wie die Bisexuellen in Speers Beispiel). Viele sehen es offenbar selber als Schwäche oder Abweichung der Norm an, gutes Beispiel dafür sind etliche "Ich würde gerne mal mit einem Mann wichsen, Schwänze sind manchmal toll...bin aber total hetero!"-Aussagen.

Dass es Homosexuelle mit ihrem Outing leichter haben, würde ich allerdings nicht sagen. Dafür gibt es schlicht und ergreifend (leider) noch immer zu viel Intoleranz, die einem diesen Schritt erschwert. Unzählige "Wie oute ich mich?"-Fragen im Internet dürften das untermauern.
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Re: Kolumne#10 Outing

Beitragvon LittleBitBi » Mi 15. Jul 2015, 10:58

Ja, diese Intoleranz gegenüber Bisexuellen ist ein bekanntes Problem, und Joe D. hat dazu eigentlich schon alles gesagt.

Die meisten Menschen denken nun mal gerne in Schubladen. Wenn sich dann jemand nicht so leicht einordnen lässt, dann passt das vielen Leuten prinzipiell erstmal nicht. Ich weiß nicht, was die HIntergründe dafür sind, vielleicht Angst vor dem, was sich nicht auf Anhieb kategorisieren lässt?

Der Vorwurf sich nicht entscheiden zu können, ist da immer vorprogrammiert. Aber den Menschen, die mit diesem Vorwurf kommen, kommt gar nicht in den Sinn, dass es hierbei vielleicht gar nicht ums Können, sondern ums Wollen geht.

Ich sage es immer wieder: Die Gesellschaft gibt sich gerne weltoffen und tolerant, aber in Wirklichkeit hält sie immer noch zu sehr an alten MOral- und Wertevorstellungen fest, die dann am besten noch als allgemeingültig angesehen werden. Eigentlich ein ganz schönes Armutszeugnis für die Menschheit...
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