TDM 03/12: sexuelle Freiheit vs. Gesetzgebung

Mal was anderes: Themen-Diskussion ohne Spam und blöde Sprüche :)

TDM 03/12: sexuelle Freiheit vs. Gesetzgebung

Beitragvon Litschee » Do 1. Mär 2012, 13:06

Auch in diesem Monat haben wir uns ein neues Thema ausgedacht.

Die Frage ist, welche Einschränkungen die (deutsche) Gesetzgebung bezüglich sexueller Freiheit gibt, aber auch welche Freiheiten uns gelassen werden. Wie steht ihr dazu, was sollte man ändern und was könnt ihr nur unterstützen? Wo sind Streitpunkte, weil die persönliche Entfaltung zu stark eingeschränkt wird und wo haltet ihr es für vollkommen richtig, dass an einer gewissen Stelle das Gesetz einschreitet?

Wie sieht es mit Grenzfällen aus, z.B. Selbstbefriedigung im Schlafzimmer, das im Erdgeschoss mit weit geöffneten Fenstern ist? Oder Sex im Auto? Belästigung anderer, oder vollkommen in Ordnung, da in den eigenen vier Wänden? Wie geht die Gesetzgebung mit solchen Fällen um?
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Re: TDM 03/12: sexuelle Freiheit vs. Gesetzgebung

Beitragvon Joe D. » Do 1. Mär 2012, 14:33

Ich halte die Gesetzgebung in Deutschland in dieser Hinsicht eigentlich für recht solide, was mich manchmal allerdings wundert, ist die Verhältnismäßigkeit der Strafen.

Ein Mann, der auf einer Party einer Frau (beide mit einer nicht unerheblichen Menge Alkohol im Blut) unsittlich zu nahe kommt und diese antatscht und nach einer Anzeige durch die Frau über drei Jahre in den Knast muss, halte ich vollkommen überzogen, da außerdem nichts passiert ist; einen überführten Kinderschänder nach sieben Jahren nach einem Resozialisierungsprogramm wieder in Freiheit zu entlassen dagegen vollkommen schwachsinnig, da nicht einmal annähernd lange genug.

Auch wenn man sich die Strafmaße der sogenannten "Kavaliersdelikte" wie Steuerhinterziehung in ihren Strafmaßen mit der sexuell veranlagten Delikten betrachtet, kommt mir das kalte Grausen.

Aber wie eben so oft, wenn jemand Steuern hinterzieht, oder Musik und Filme kostenlos zum download anbietet, dann ist der Staat direkt betroffener, da ihm ja Kohle durch die Lappen geht, während er bei einem vergewaltigten, ermordeten Kind ja nur unbeteiligter Dritter ist. (das ganze ist überspitzt dargestellt)

Was diese Delikte angeht bei welchen niemand zu Schaden kommt (Erregung öffentlichen Ärgernisses in manigfaltiger Ausfertigung) naja, hier sollte genauestens darauf geachtet werden, wo, in welchen Bereichen der Öffentlichkeit ereignet sich das Ärgernis. Wenn ein Pärchen zusammen in den Wald (natürlich auf freigegebenen Straßen gibt es nur kaum) fährt oder auf einen abseits gelegenen Parkplatz, zu später Stunde und dort was auch immer für Tätigkeiten nachgeht, stellt das in den meisten Fällen eigentlich kein Problem dar. Findet das Treiben in belebtem Gebiet statt halte ich eine Anzeige für gerechtfertigt. Auch wenn es im Auto und damit in den eigenen vier Wänden ist. Wenn dann noch ein Spielplatz oder eine Schule in der Nähe ist, steigert dies mE nur den strafbaren Charakter der Tat.

Masturbation in den eigenen vier Wänden bei geöffnetem Fenster. Das ist kritisch, denn man befindet sich ja in einem geschützten, vom Staat geschützten, Bereich. Ich muss ehrlich sagen, ich kenne mich hier auch gesetzmäßig überhaupt nicht aus. Ist es eine strafbare Handlung Sex zum beispiel auf einem öffentlich einsehbaren Balkon, der ja zur Wohnung gehört, zu haben? Ich denke, hier sollte immer, nach eingehender Betrachtung, im Einzelfall entschieden werden, nicht pauschal.
Zuletzt geändert von Joe D. am Do 1. Mär 2012, 14:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: TDM 03/12: sexuelle Freiheit vs. Gesetzgebung

Beitragvon Litschee » Do 1. Mär 2012, 14:39

Stimmt, das sehe ich genauso.

Allerdings muss man mit der Aussage, dass das Gesetz solide ist, wohl zwischen "Normalos", die keine besonderen Fetische oder so haben und eben "Fetischisten" (das Wort passt nicht ganz, aber mir fällt kein besseres ein :roll: ) differenzieren. Jemand, der sich gerne vor anderen Menschen zeigt (beim Sex, SB, whatever) könnte es doof finden, dass das Gesetz das nicht erlaubt, während jemand, der bei sowas eh lieber für sich bleibt, mit dem Gesetz wohl weniger Probleme hat...
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Re: TDM 03/12: sexuelle Freiheit vs. Gesetzgebung

Beitragvon CoolMcCool » Do 1. Mär 2012, 19:11

Jeder kann eben nur machen was er will so lange er dabei niemandem anderen schadet. Zeigefreudige können sich ja gerne an Orten zeigen, an denen das normal ist und an denen es andere Leute sehen wollen. Swinger-Club, Sauna, Fkk usw.

Aber leider geht es vielen Exis genau darum sich vor Leuten zu zeigen, die das schockieren, stören oder gar verängstigen könnte und da hört der Spass nunmal auf.

Hypothetisch, wie wäre das in einer Gesellschaft zu leben in der "freie Liebe" normal ist, in der jeder mit jedem und überall Sex haben könnte. Klingt erstmal reizvoll, wenn man das liest, aber andererseits ist unsere Gesellschaft bereits jetzt so hypersexualisiert, dass man schon abstumpft, wenn man nicht aufpasst, wie wäre es dann erst, wenn das Alltag wäre.

Außerdem wäre es mit Intimität dann auch nicht mehr weit her. Sex wird ja erst speziell wenn es der Partner ist mit dem ihn teilen will.
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Re: TDM 03/12: sexuelle Freiheit vs. Gesetzgebung

Beitragvon DerBöseWolfi » Mo 19. Mär 2012, 21:05

Ich glaube sexuelle Verbote sind Blödsinn. Man darf ja eigentlich auch ohne Sex Niemanden verletzen oder umbringen oder zu etwas zwingen das der nicht will.
Also das nochmal verbieten wenn Sex mit im Spiel ist ist doch irgendwie Quatsch.
Gibt ja auch nur ein Gesetz wo drinsteht daß stehlen verboten ist - und keins wo drinsteht daß Gummibärchen klauen auch verboten ist.

Ok so Exhibizionisten ist ein Sonderfall. Meinen nackigen Oberkörper kann ich herzeigen aber halt nicht was drunter ist. Aber irgendwie verstehe ich da jetzt auch nicht was da so schlimm dran ist wenn Jemand sowas macht. Ist halt irgendwie behindert. Aber irgenwelche geistig Behinderten laufen ja auch frei rum und machen sogar manchmal Sachen vor denen Kinder Angst bekommen.
Ich hab mal als ich noch klein war am Strand zwei gesehen die gefickt haben. Fand ich damals überhaupt nicht schlimm. Und heute fände ich es entweder interessant wenn die geil aussehnen :D oder ich würde weggucken wenn meine Oma dabei wäre :lol:
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Re: TDM 03/12: sexuelle Freiheit vs. Gesetzgebung

Beitragvon Jojo55 » Di 20. Mär 2012, 06:42

CoolMcCool hat geschrieben:Aber leider geht es vielen Exis genau darum sich vor Leuten zu zeigen, die das schockieren, stören oder gar verängstigen könnte und da hört der Spass nunmal auf.

Es schockiert, stört oder ängstigt doch aber nur, weil es verboten ist! Ok, wenn man Nacktsein überall erlaubt nimmt man den Exhibitionisten ihr Sonntagsvergnügen - aber das wäre mir egal.
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Re: TDM 03/12: sexuelle Freiheit vs. Gesetzgebung

Beitragvon DerBöseWolfi » Di 20. Mär 2012, 21:13

CoolMcCool hat geschrieben:Aber leider geht es vielen Exis genau darum sich vor Leuten zu zeigen, die das schockieren, stören oder gar verängstigen könnte und da hört der Spass nunmal auf.


Aber irgendwie ist das doch das Problem von demjenigen der sich davon schocken läßt. Laufen ja auch Punker oder Rocker rum die sich auch möglichst so aufbrezeln dass Andere Angst kriegen.
Das ist zwar sicher auch nicht nett - aber man kann ja auch nicht einfach alles Verbieten was nicht nett ist oder was irgendwem Angst macht.
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Re: TDM 03/12: sexuelle Freiheit vs. Gesetzgebung

Beitragvon Kratzbaum » Di 20. Mär 2012, 23:44

Es ist ein Unterschied, ob jemand jemanden sexuell belästigt, oder ob er nur eine provokante Frisur hat!
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Re: TDM 03/12: sexuelle Freiheit vs. Gesetzgebung

Beitragvon Jojo55 » Mi 21. Mär 2012, 07:16

Kratzbaum hat geschrieben:Es ist ein Unterschied, ob jemand jemanden sexuell belästigt, oder ob er nur eine provokante Frisur hat!

Natürlich. Aber schon der Gedanke, ein Mensch könnte allein wegen seiner Nacktheit sexuell belästigend sein ist einfach eine ziemich - entschuldige - schwachsinnige Idee.
Oder glaubst du ernsthaft, die Mitglieder etlicher afrikanischer oder südamerikanischer Kulturen belästigen sich permanent gegenseitig sexuell?

Ich fühle mich von "baggy" Jeans und Piercings jedenfalls erheblich stärker belästigt als von Nackten. Sollte man vielleicht verbieten? Ästhetische Belästigung ist schließlich kaum ein Deut besser als sexuelle.
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Re: TDM 03/12: sexuelle Freiheit vs. Gesetzgebung

Beitragvon Joe D. » Mi 21. Mär 2012, 14:30

Jojo, was du hier mit deinen Afrikanern und Südamerikanern bringst, ist wie der Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen.

Du kannst nicht zwei völlig unterschiedliche Kulturen, welche sich unter völlig verschiedenen klimatischen, religiösen und technischen Vorraussetzungen voneinander entwickelt haben, miteinander vergleichen.

Unsere Religion sowie unser Klima haben dazu geführt, dass die meisten Menschen hier, Nacktheit mit einer Sexualität in Verbindung bringen. Unabhängig davon, ob dies von allen so gesehen wird oder nicht; die Mehrheit nimmt es so wahr und wie es in einem demokratischen Land der Fall ist, werden Leute in die Regierung gewählt, welche Gesetze verabschieden, die besagen, dass Nacktsein in der Öffentlichkeit ein Ärgerniss darstellt. Wenn du es schaffst eine Mehrheit dazu zu bewegen, Leute in die Regierung zu wählen, welche Piercings und Baggys als Ärgerniss ansehen, dann werden diese Modeerscheinungen von der Bildfläche verschwinden.

Vor der Demokratie wurde eben das getan, was der absolutistische Herrscher gesagt und die waren meist streng Religiös und dabei sind dann eben solche Episoden wie unter Queen Victoria zustande gekommen.

Das alles hat eine Konditionierung nach sich gezogen die eben dazu geführt hat, Nacktheit als etwas Belästigendes zu empfinden. Dort wo das nicht so war, ist es auch heute gesellschaftlich akzeptiert nackt herum zu laufen. Deswegen ist die Idee, Nacktheit provoziere keine schwachsinnige Idee, sondern lediglich eine vollkommen logische Konsequenz aus einer viele Jahrhunderte währenden Tradition.
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Re: TDM 03/12: sexuelle Freiheit vs. Gesetzgebung

Beitragvon Jojo55 » Mi 21. Mär 2012, 15:32

Joe D. hat geschrieben:Du kannst nicht zwei völlig unterschiedliche Kulturen, welche sich unter völlig verschiedenen klimatischen, religiösen und technischen Vorraussetzungen voneinander entwickelt haben, miteinander vergleichen.

Ich kann. Und weil ich kann mache ich das. Religion ist für mich kein Argument, im Sommer ist es warm genug, und technisch hat meine Kleidung durchaus alle Voraussetzungen, sie vom Körper zu entfernen.

Unsere Religion

Meine nicht. Ich bin Atheist und sehe in jeglicher Religion die Wurzel allen Übels. Nicht nur bei diesem Thema.

Gesetze ..., die besagen, dass Nacktsein in der Öffentlichkeit ein Ärgerniss darstellt.

Keine Angst, ich ziehe mich selbst dann nicht in der Fußgängerzone aus wenn es sommerliches Klima erlauben würde. Ich halte mich an diese Gesetze. Aber nur, weil ich nicht bestraft werden will. Keineswegs, weil ich darin womöglich irgend einen Sinn sähe.

Wenn du es schaffst eine Mehrheit dazu zu bewegen, Leute in die Regierung zu wählen, welche Piercings und Baggys als Ärgerniss ansehen, dann werden diese Modeerscheinungen von der Bildfläche verschwinden.

Ich bemühe mich nach Kräften ;-)

Deswegen ist die Idee, Nacktheit provoziere keine schwachsinnige Idee

Sie mag prvozieren. Aber zum Glück ist nicht jede Provokation verboten. Zum Beispiel hat dieses Posting hier bewusst eine leicht provokative Tendenz ;-)
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Re: TDM 03/12: sexuelle Freiheit vs. Gesetzgebung

Beitragvon Kratzbaum » Mi 21. Mär 2012, 18:14

Jetzt hast du nicht aufgepasst, weil du zu sehr in deinem Glauben versteift bist (dass es keinen Gott gibt und dass Religion böse ist), ist dir nämlich völlig entgangen,
dass die Rede hier nicht von Religion allein, sondern von Kultur im Allgemeinen war.
Religion mag Kultur sein, aber eben nur ein Teil davon!
Und diese ist, wenn man es genauer betrachtet, nichts Schlechtes: Kultur ist ein gruppenpsychologischer Zusammenhalt, der eine gemeinsame Identifikation bringt und ohne den wir wohl immer noch von großen Räubern gejagd und in etliche Mikrofeden verwickelt wären...

Freilich ist sie im Wandel, Kultur wird von der Umgebung der Menschen beeinflusst und diese wird von den Menschen beeinflusst, aber das kann man sich ja sicher denken.

Eines ist hier ebenfalls untergegangen: Nacktheit wird in einem gewissen Ramen akzeptiert, in der Sauna, FKK und co. eben da, wo alle nackt sind und somit keiner ausgeschlossen wird,
ein Exhibitionist geht ja auch nicht funktional vor, es geht nicht um Hitze, unpraktische Kleidung,
nein, es geht um die Provokation, um sexuelle Belästigung.
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Re: TDM 03/12: sexuelle Freiheit vs. Gesetzgebung

Beitragvon Litschee » Mi 21. Mär 2012, 18:22

CoolMcCool hat geschrieben:Aber leider geht es vielen Exis genau darum sich vor Leuten zu zeigen, die das schockieren, stören oder gar verängstigen könnte und da hört der Spass nunmal auf.

Ich glaube auf diesen Satz sollte man bzgl. Exis noch mal zurückkommen. Viele zeigen sich vor jungen Menschen, weil die eben nicht wissen, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Eine Grundschülerin, die bisher maximal Familenangehörige nackt gesehen hat, kann logischerweise nicht mit einem fremden Mann umgehen, der sich nackt vor ihr präsentiert. Bei mir wäre in diesem Fall noch die Angst hinzugekommen, dass ich nicht wüsste, ob er nicht noch mehr möchte, als sich nur zu zeigen. Und damit kann man bei sexueller Belästigung das "sexuelle" weglassen...man bekommt in dieser Situation Angst - und damit ist das genauso verboten, wie jemandem mit einem Messer zu drohen.

Das alles wäre erlaubt, wenn man schon von klein auf mit dieser Situation umgehen könnte, aber das ist hier eben nicht der Fall - dazu ist Nacktheit zu selten anzutreffen ;)
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Re: TDM 03/12: sexuelle Freiheit vs. Gesetzgebung

Beitragvon Jojo55 » Mi 21. Mär 2012, 19:27

Kratzbaum hat geschrieben:Jetzt hast du nicht aufgepasst, weil du zu sehr in deinem Glauben versteift bist (dass es keinen Gott gibt und dass Religion böse ist), ist dir nämlich völlig entgangen,
dass die Rede hier nicht von Religion allein, sondern von Kultur im Allgemeinen war.

"Kulturen, welche sich unter völlig verschiedenen klimatischen, religiösen und technischen Vorraussetzungen voneinander entwickelt haben"
Auf alle drei Aspekte bin ich eingegangen.

Religion mag Kultur sein, aber eben nur ein Teil davon!

Genau. Ich habe nämlich aufgepasst ;-)

ein Exhibitionist geht ja auch nicht funktional vor, es geht nicht um Hitze, unpraktische Kleidung,
nein, es geht um die Provokation, um sexuelle Belästigung.

Ja. Auf diesen Punkt bin ich am Dienstag, den 20. März 2012, um 06:42h eingegangen.

Wenn das Nichttragen von Kleidung z.B. in der U-Bahn genau so selbstverständlich wäre wie das Lesen der Tageszeitung könnte man damit nicht mehr provozieren. Die armen Exhibitionisten müssten sich ein anderes Betätigungsfeld suchen, und beispielsweise baggy Jeans anziehen :lol:
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Re: TDM 03/12: sexuelle Freiheit vs. Gesetzgebung

Beitragvon Jojo55 » Mi 21. Mär 2012, 19:32

Litschee hat geschrieben:Das alles wäre erlaubt, wenn man schon von klein auf mit dieser Situation umgehen könnte, aber das ist hier eben nicht der Fall - dazu ist Nacktheit zu selten anzutreffen ;)

Gut erkannt: Der Grund für das Verbot liegt im Verbot selbst. Wäre es erlaubt, fiele die Begründung für ein Verbot weg. Aber weil es verboten ist, ist es selten, und weil es selten ist muss es verboten werden.
Legislative Onanie? Vermutlich.
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Re: TDM 03/12: sexuelle Freiheit vs. Gesetzgebung

Beitragvon Kratzbaum » Mi 21. Mär 2012, 20:19

>"Kulturen, welche sich unter völlig verschiedenen klimatischen, religiösen und technischen Vorraussetzungen voneinander entwickelt haben"
Auf alle drei Aspekte bin ich eingegangen.<

Das ist nicht wahr, du hast es zwar zitiert, aber einfach übersprungen, um direkt im selben Absatz auf Religion zu springen!
Wenn du meinst, deine Kulturverweigerung dadurch zu zeigen, dass du schreibst, dass du das kannst, weil du quasi außerhalb der Kultur stehst, so ist das nicht die richtige Argumentation auf die relativ objektive Aussage über unterschiedliche kulturelle Prägung.
Kulturverweigerung macht schließlich noch keine Kultur, dafür fehlt die Gruppendynamik.
(Jetzt mag das Agrument kommen, dass es noch viele andere Leute mit der selben Ansicht gibt, dummerweise wird aus Kulturverweigerung dann Kultur - eine ziemlich intolerante überdies...)
Das Wörtchen technisch hast du im falschen Zusammenhang erwähnt, zwar schließt Kleidung natürlich auch ein, dass man sie wieder ablegen kann, um sie oder sich zu reinigen, ihre Funktion aber ist selbstverständlich, sie am Leib zu tragen als Schutz vor Kälte, Witterung, physischen Einflüssen etc., denn sonst wäre sie funktionslos und simple Dekoration.

Ich widerspreche dir ja nicht gänzlich, diese Metallwarzen kann ich auch nicht ausstehen,
aber gegen etwas zu sein, nur um dagegen zu sein,
(Unter anderem, wenn man schon fast automatisch auf ein Reizwort wie "Religion" reagiert)
ist doch recht kindliche Bockigkeit!

>Wenn das Nichttragen von Kleidung z.B. in der U-Bahn genau so selbstverständlich wäre wie das Lesen der Tageszeitung könnte man damit nicht mehr provozieren. Die armen Exhibitionisten müssten sich ein anderes Betätigungsfeld suchen, und beispielsweise baggy Jeans anziehen.<

Wann müsste man dann keine Kleidung tragen, wann müsste man sie anziehen?
Wie bereits gesagt, müsste hier eine gewisse Uniformität gelten, sonst würden regelmäßig Leute diskriminiert, denen z.B. schnell zu kalt wird.
Wo ziehen wir die Grenzen?
Ist eine Kette ein verbotener Gegenstand in einer FKK-Gesellschaft?
Was ist mit denen, die ihre Kleidung anbehalten wollen, zwingt man die um?
Immerhin: man kann in unserer Gesellschaft Kleidung unterschiedlich tragen, dick, dünn, nicht jeder Körperteil muss bedeckt sein und wer nicht nackt sein will, der geht einfach nicht in FKK-Bereiche.
Alles andere würde Überregulierung oder eben Diskriminierung bedeuten, wollen wir noch mehr davon?

Darüber hinaus kannst du nicht einfach hingehen und einer Mehrheitsgesellschaft ihre Kultur verbieten, weil dir nicht danach ist, dich anziehen zu müssen...
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Re: TDM 03/12: sexuelle Freiheit vs. Gesetzgebung

Beitragvon Jojo55 » Mi 21. Mär 2012, 21:38

Kratzbaum hat geschrieben:kindliche Bockigkeit!

Genau! <mitdemfußstampf>

Wann müsste man dann keine Kleidung tragen, wann müsste man sie anziehen?

Jeder nach Lust und Laune.

Wie bereits gesagt, müsste hier eine gewisse Uniformität gelten, sonst würden regelmäßig Leute diskriminiert, denen z.B. schnell zu kalt wird.

Warum das denn? Jetzt ist es doch auch völlig egal ob ich was rotes oder was gelbes anziehe. Muss man immer gleich andere diskriminieren nur weil sie etwas anders machen als man selbst?

Ist eine Kette ein verbotener Gegenstand in einer FKK-Gesellschaft?

Du verstehst mich offenbar ziemlich miss.
Ich rede doch nicht von einer "FKK-Gesellschaft" in der jeder gezwungen wird nackt rumzulaufen.
Ich rede nur vom "F", von der Freiheit, etwas gelbes, etwas rotes, eine sonstige Farbe oder eben gar nichts anzuziehen. Ohne Zwang und Diskriminierung.

Was ist mit denen, die ihre Kleidung anbehalten wollen, zwingt man die um?

Zwingt man jetzt jemanden, etwas gelbes anzuziehen obwohl er lieber etwas rotes trägt?

Immerhin: man kann in unserer Gesellschaft Kleidung unterschiedlich tragen

Na immerhin.

Alles andere würde Überregulierung oder eben Diskriminierung bedeuten, wollen wir noch mehr davon?

Nein. Genau das Gegenteil davon. Wie kann etwas überreguliert sein, wenn man eine bestehende Regulierung die nur ihrer selbst willen besteht abschafft?

Darüber hinaus kannst du nicht einfach hingehen und einer Mehrheitsgesellschaft ihre Kultur verbieten, weil dir nicht danach ist, dich anziehen zu müssen...

Es soll einfach jeder nach seiner Facon selig werden dürfen - wie schon der Alte Fritz so schön formulierte. Irgendwie hast du meinen Piercing- und Jeans-Zynismus in den falschen Hals bekommen.
Macht ja nix. Kann ja vorkommen.
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Re: TDM 03/12: sexuelle Freiheit vs. Gesetzgebung

Beitragvon Joe D. » Do 22. Mär 2012, 14:17

Jojo55 hat geschrieben:Ich kann. Und weil ich kann mache ich das. Religion ist für mich kein Argument, im Sommer ist es warm genug, und technisch hat meine Kleidung durchaus alle Voraussetzungen, sie vom Körper zu entfernen.


Du kannst es, das steht außer Frage, aber dadurch, dass du es machst und eine große Bandbreite an nicht vergleichbaren Faktoren unberücksichtigt in einen Topf wirfst, gibst du dich einer gewissen Lächerlichkeit preis. (Das ist im übrigen auch ein klein wenig provokativ formuliert ;) )

Überdies, lauf doch mal im Hochsommer durch die Stadt und sieh dir die Menschen an, oder in Badeanstalten, da ist es zum völligen Nacktsein nur noch ein kleiner Schritt. Ohne die Veränderung der Gesellschaft bezüglich Toleranz bei Kleidung wäre das ein Ding der Unmöglichkeit.

Meine nicht. Ich bin Atheist und sehe in jeglicher Religion die Wurzel allen Übels. Nicht nur bei diesem Thema.


Religion ist für dich wie ein rotes Tuch für einen Stier in der Arena, kann das sein? Es spielt keine Rolle ob du Atheist oder sonst was bist. Die Religion gibt es und sie hat ihren Teil, und zwar einen ganz erheblichen Teil, zur Konditionierung der Menschen unserer Breiten beigetragen. Die Konditionierung ändert sich ja bereits, was sich an der Veränderung der Kleidung ablesen lässt, welche immer toleranter wird. Aber das dauert eben seine Zeit, im Regelfall mehrere Jahrzehnte bis Jahrhunderte, meist von Generation zu Generation, in kleinen Schritten.

Du hast den technischen Aspekt auf Kleidung bezogen, was von meiner Seite keineswegs nur darauf bezogen war. Ich meinte die gesamte technische Entwicklung der Menschen hier, welche einen enormen kulturellen Faktor darstellt.
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Re: TDM 03/12: sexuelle Freiheit vs. Gesetzgebung

Beitragvon Jojo55 » Do 22. Mär 2012, 14:44

Joe D. hat geschrieben:Religion ist für dich wie ein rotes Tuch für einen Stier in der Arena, kann das sein?

Das rote Tuch in der Stierkampfarena ist da noch vergleichsweise harmlos.
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Re: TDM 03/12: sexuelle Freiheit vs. Gesetzgebung

Beitragvon Kratzbaum » Do 22. Mär 2012, 15:33

Das Dumme ist nur, das macht es nahezu unmöglich, sachlich an Themen wie Kultur heranzugehen!

Kultur - Religion;
Religion?
*kawummm*

OK, der zweite Teil war nicht ernst gemeint! ;)
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